ADFC unterstützt neuen Radweg zwischen Aidlingen und Dagersheim - ADFC Herrenberg/Oberes Gäu

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Ortsgruppe Herrenberg/Oberes Gäu

ADFC unterstützt neuen Radweg zwischen Aidlingen und Dagersheim

ADFC unterstützt die Stellungnahme des Landratsamts Böblingen zum "Schwarzbuch-Eintrag" über den Radweg Aidlingen

Radfahrstreifen Illustration
Radfahrstreifen Illustration © ADFC | april agentur

Kreisverband widerspricht Kritik des Bundes der Steuerzahler

Der ADFC-Kreisverband Böblingen unterstützt die Stellungnahme des Landkreises Böblingen zum neuen Geh- und Radweg an der K 1066 zwischen Aidlingen und Dagersheim (siehe Medien zum Artikel). Der Bund der Steuerzahler hatte den rund 370 Meter langen Abschnitt in sein aktuelles Schwarzbuch aufgenommen und dabei insbesondere die Kosten von rund einer Million Euro kritisiert.

Aus Sicht des ADFC greift eine Bewertung allein nach dem Verhältnis von Baukosten und Streckenlänge zu kurz. Entscheidend ist, welche Funktion der neue Abschnitt im Radverkehrsnetz erfüllt. Mit ihm wurde eine problematische Lücke in einer mehrere Kilometer langen und für den Alltagsradverkehr wichtigen Verbindung zwischen Aidlingen, Dagersheim/Darmsheim sowie Böblingen und Sindelfingen beseitigt.

Bisherige Strecke mit bis zu 17 Prozent Steigung

Die bisherige Führung über einen landwirtschaftlichen Weg weist Steigungen von bis zu 17 Prozent auf. Für viele Menschen ist eine solche Strecke nur schwer oder gar nicht komfortabel zu bewältigen. Das betrifft insbesondere Kinder, ältere Menschen und weniger trainierte Radfahrende, aber auch Menschen mit Kinder- oder Lastenanhängern.

Auch bergab ist eine derart steile Strecke problematisch: Die hohen Geschwindigkeiten erhöhen insbesondere im Begegnungsverkehr das Unfallrisiko.

Der neue straßenbegleitende Weg reduziert die maximale Steigung auf rund sieben Prozent. Damit wird die Verbindung für wesentlich mehr Menschen alltagstauglich und sicher befahrbar.

Mehr als 300 Meter Radweg

Für den ADFC ist besonders wichtig, die neue Strecke nicht isoliert zu betrachten. Sie ist Teil einer durchgängigen Verbindung von Aidlingen über Dagersheim und Darmsheim in Richtung Böblingen und Sindelfingen.

Von Aidlingen sind es rund 3,5 Kilometer nach Dagersheim/Darmsheim und etwa sechs Kilometer zum Mercedes-Benz-Werk, zum Gewerbegebiet Hulb sowie zu den großen Berufsschulzentren. Gerade mit Fahrrädern und Pedelecs sind dies typische Entfernungen für den täglichen Weg zur Arbeit, zur Schule oder Ausbildung.

Entsprechend ist die Strecke in der Radverkehrskonzeption des Landkreises als Hauptverbindung 2. Ordnung ausgewiesen.

Nutzung zeigt den Bedarf

Auch die Verkehrszahlen sprechen dafür, dass hier nicht an einem tatsächlichen Bedarf vorbeigebaut wurde. Vor der Baumaßnahme wurden nach Angaben des Landkreises durchschnittlich rund 200 Radfahrten pro Tag gezählt. Nach Fertigstellung waren es im Juli durchschnittlich etwa 470 und im September rund 360 Radfahrten täglich. An einzelnen Tagen wurden rund 500 Radfahrten registriert.

Diese Zahlen sind aus Sicht des ADFC ein wichtiges Indiz dafür, dass attraktive und besser befahrbare Radverkehrsverbindungen auch tatsächlich genutzt werden.

Hohe Kosten vor allem durch aufwendige Hangsicherung

Auch die Baukosten müssen differenziert betrachtet werden. Die rund eine Million Euro wurden keineswegs allein für die Herstellung von 370 Metern Radweg aufgewendet. Aufgrund der topografischen Situation musste der bestehende Geländeeinschnitt erweitert und der Hang aufwendig gesichert werden. Dazu waren umfangreiche Erdarbeiten, eine Spritzbetonschale und rund 300 Mikropfähle erforderlich.

Der überwiegende Teil der Kosten entfällt nach Angaben des Landkreises auf diese geotechnisch notwendigen Arbeiten.

Der ADFC hält deshalb die verkürzte Gegenüberstellung „eine Million Euro für 370 Meter Radweg“ nicht für geeignet, um Nutzen und Wirtschaftlichkeit der Maßnahme angemessen zu beurteilen.

Gute Radwege brauchen ein durchgängiges Netz

Ein Radverkehrsnetz ist immer nur so gut wie seine problematischsten Abschnitte. Wenige hundert Meter können darüber entscheiden, ob eine mehrere Kilometer lange Verbindung für den Alltagsverkehr attraktiv und für unterschiedliche Nutzergruppen geeignet ist.

Der ADFC-Kreisverband Böblingen begrüßt deshalb ausdrücklich, dass Landkreis und Gemeinde die Schwachstelle an der K 1066 beseitigt haben.

Kritische Diskussionen über die Verwendung öffentlicher Gelder sind wichtig. Sie sollten aus Sicht des ADFC jedoch die tatsächliche Funktion einer Infrastrukturmaßnahme, ihre baulichen Rahmenbedingungen und ihren langfristigen Nutzen berücksichtigen. Im Fall des Radwegs zwischen Aidlingen und Dagersheim sprechen sowohl seine Bedeutung im Radverkehrsnetz als auch die bisherigen Nutzungszahlen für die Maßnahme.

https://herrenberg.adfc.de/neuigkeit/radweg-an-der-k-1066-fuer-den-verkehr-freigegeben-1

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